Hinter der Ruine
Der Himmel über dem alten Sumpfgebiet hinter der Ruine Nienburg sah aus, als hätte jemand vergessen, die Welt richtig fertig zu malen. Alles war grau. Nicht dieses gemütliche Regen-Grau, sondern so ein „Wir sollten vielleicht lieber umdrehen“-Grau. Tiefe Wolken hingen über den krummen Bäumen und ließen das Licht aussehen, als wäre es schon viel später am Abend.
„Das ist literally der perfekte Ort für einen Serienkiller“, sagte Luke und schob mit seinem Schuh einen Ast aus dem Weg.
Der Ast bewegte sich plötzlich zurück.
Luke sprang einen halben Meter nach hinten.
„AAH! Okay! Der Wald lebt!“
„Das war eine Wurzel“, sagte Leia trocken.
Sie zog ihr Handy aus der Tasche und tippte etwas darauf herum. Ihre Cochlear-Implantate glänzten silbern zwischen ihren dunklen Haaren hervor.
„Und außerdem wäre ein Serienkiller statistisch gesehen nicht—“
„Leia“, unterbrach Marie. „Bitte keine Statistik im Sumpf.“
Sie saß auf einem halb umgestürzten Stein und zeichnete bereits die Ruine auf ihrem iPad. Ihr Pen flog über den Bildschirm. Sie zoomte näher heran und ergänzte kleine Schatten zwischen den zerbrochenen Mauern.
„Die Perspektive hier ist richtig gut.“
„Die Perspektive hier ist richtig matschig“, murmelte Fynn.
Er kniete vor einer alten Mauer und schrieb etwas in seine kleine schwarze Kladde.
Vorne auf dem Einband stand mit silbernem Marker:
EPHI
Luke grinste.
„Du weißt schon, dass normale Leute einfach ein Handy benutzen?“
„Normale Leute vergessen nicht jeden zweiten Tag wichtige Sachen“, sagte Fynn, ohne aufzusehen.
„Und außerdem vertraue ich Papier mehr als Cloudspeichern.“
„Du vertraust nicht mal Toastbrot.“
„Zu Recht.“
Luke stemmte die Hände in die Hüften.
„Wie kann man Toastbrot misstrauen?“
Fynn sah auf.
„Schimmel. Ablaufdaten. Heimtückische Löcher mitten in der Scheibe.“
„Du klingst wie jemand, der mal von einem Sandwich verraten wurde.“
„Wurde ich.“
Leia schnaubte kurz vor Lachen.
Marie zeichnete genau diesen Moment.
Luke mit empörtem Gesicht.
Fynn mit seiner Kladde.
Leia halb grinsend.
Die Ruine im Hintergrund.
Sie hielt kurz inne.
Irgendwie wirkte die Zeichnung plötzlich seltsam.
Zu still.
Als würde etwas fehlen.
Oder gleich auftauchen.
Ein Windstoß fuhr durch die Bäume.
Irgendwo knackte Holz.
Leia hob plötzlich den Kopf.
„Wartet mal.“
Alle verstummten. Man hörte das Moor glucksen. Irgendwo platschte Wasser.
Dann war da noch etwas. Ein leises Summen. Fast wie Strom.
Leia runzelte die Stirn.
„Hört ihr das?“
Luke lauschte angestrengt.
„Nein.“
Er deutete auf seinen Bauch. „Aber ich höre meinen Magen sterben.“
Leia verdrehte die Augen.
„Es kommt von da.“ Sie zeigte hinter die Ruine.
Dort standen Bäume. Sehr viele Bäume.
Zwischen ihnen hing dichter Nebel. Der Wind bewegte ihn kaum.
Er hing einfach da wie eine Wand.
„Ganz schön gruselig“, murmelte Marie.
Natürlich gingen sie trotzdem hin. Der Boden wurde weicher und der Matsch sog an ihren Schuhen.
Einmal blieb Luke fast bis zum Knöchel stecken.
„Das Moor versucht mich zu essen!“
„Das glaube ich eher nicht. So ein Moor hat auch gewisse Ansprüche“, sagte Leia.
Luke zog mit einem schmatzenden Geräusch seinen Schuh frei.
Dabei verlor er fast das Gleichgewicht und riss Fynn mit sich.
Fynn konnte sich gerade noch an einem Baum festhalten.
„LUKE!“
„Technisch gesehen bin ich gefallen.“
„Technisch gesehen bringe ich dich gleich um.“
Marie grinste leicht und machte ein schnelles Foto von den beiden.
„Perfektes Material für den Jahresrückblick.“
„Bitte lösch das.“
„Niemals.“
Sie liefen weiter.
Die Ruine verschwand langsam hinter ihnen. Hier draußen wurde es stiller. Keine Vögel. Keine Autos aus der Ferne. Nur das Summen. Es wurde stärker.
Leia blieb erneut stehen.
Diesmal zog sie zusätzlich ein kleines Mikrofon aus ihrer Jackentasche und verband es mit ihrem Handy.
„Okay“, murmelte sie.
„Jetzt wird’s weird.“
„Weirder als Luke im Biounterricht?“ fragte Marie.
„Hey! Das war EINMAL!“
„Du hast versucht, einen Frosch mit Salzstangen zu füttern.“
„Er sah hungrig aus.“
Leia hob die Hand. Sofort verstummten alle. Sie konzentrierte sich. Durch ihre Implantate hörte sie das Summen viel deutlicher als die anderen. Es war nicht gleichmäßig.Es pulsierte wie ein Herzschlag.
Bssss.
Pause.
Bssss.
Pause.
„Das ist …“, sagte sie leise.
„Was?“ fragte Fynn.
„Das Geräusch. Das macht nichts Natürliches.“
Fynn schrieb sofort in Ephi.
Summen nicht natürlich. Rhythmisch. Dann blieb er abrupt stehen. Vor ihnen lag ein Kreis aus alten Steinen. Fast vollständig von Moos überwuchert. Manche Steine waren umgekippt. Andere wirkten, als hätte jemand Symbole hineingekratzt. In der Mitte flimmerte die Luft wie Hitze über Asphalt.
Das Summen wurde lauter. Marie senkte langsam ihr iPad.
„Okay … das ist neu.“
Luke beugte sich vor.
„Vielleicht Militär.“
„Im Sumpf?“
„Geheime Sumpfmilitärbasis.“
„Klar.“
Leia trat näher.
Ihr Blick wurde plötzlich konzentriert.
Sie nahm ihr Handy und schaltete irgendeine App ein.
Auf dem Display zuckten Linien hektisch hin und her.
„Da sind elektromagnetische Ausschläge.“
„Kannst du das auch verständlich erklären?“ fragte Luke.
„Etwas sendet Energie.“
Fynn umrundete vorsichtig den Steinkreis.
„Vielleicht irgendein altes Experiment.“
„Oder Aliens“, sagte Luke.
„ Du musst natürlich gleich an Aliens denken.“
„Aliens sind statistically gesehen möglich.“
Leia sah Marie an.
„Du färbst auf ihn ab.“
Marie grinste zufrieden.
Fynn kniete sich vor einen der Steine. Darauf war ein seltsames Zeichen eingeritzt. Drei Kreise. Darunter Linien. Fast wie Wurzeln. Er strich vorsichtig darüber. Der Stein war warm.
„Äh … Leute?“
Alle sahen ihn an.
„Der Stein ist warm.“
„Vielleicht von der Sonne.“
Alle blickten gleichzeitig zum grauen Himmel.
Luke nickte langsam.
„Okay. Keine gute Theorie. Vergesst meine Aussage.“
Fynn schrieb hektisch in Ephi.
19:42 Uhr. Kreis aus Steinen. Luft flimmert. Summen. Leia misst Ausschläge. Steine warm.
Dann passierte es.
Mitten im Kreis entstand plötzlich Licht.
Nicht explosionsartig.
Es faltete sich eher auseinander, wie eine Tür aus leuchtendem Wasser.
Alle vier erstarrten.
Der Nebel ringsum bewegte sich plötzlich nach innen. Als würde das Licht die Luft einsaugen.
Luke flüsterte:
„Okay … entweder sterben wir jetzt … oder das wird die coolste Sache unseres Lebens.“
Das Licht wurde größer und der Boden vibrierte leicht.
Marie machte unbewusst einen Schritt zurück. Leia hielt sich kurz an einem Stein fest.
Das Summen war inzwischen fast schmerzhaft laut für sie.
„Boah“, presste sie hervor. „Das ist echt extrem.“
Fynn sah sie sofort an. „Alles okay?“
Sie nickte kurz. „Noch.“
Im Licht konnte man etwas erkennen. Riesige Bäume. Viel größer als die im Moor. Und irgendwo weit hinten leuchtete etwas Goldenes.
Etwas bewegte sich dort oben zwischen den Ästen.
Marie bekam eine Gänsehaut.
„Habt ihr das gesehen?“
Leia nickte langsam.
„Ja.“
Fynn schluckte. Sein Herz schlug plötzlich viel zu schnell. Er wusste nicht warum. Aber er hatte das Gefühl, dass ihr Leben gerade komplett falsch abbog. Oder richtig. Vielleicht beides.
Der Kreis summte jetzt laut, fast wie ein riesiger Lautsprecher.
Leia zuckte zusammen und presste kurz die Hände an ihre Implantate.
„Wenn wir da reingehen“, sagte sie leise, „dann verändert das mit Sicherheit irgendwas.“
Luke sah sie an.
„Du meinst uns?“
Leia blickte wieder ins Licht.
„Eventuell.“
Fynn atmete tief durch.
Dann machte er den ersten Schritt.
„Okay“, sagte er. „Wir schauen nur kurz rein. Maximal fünf Minuten.“
Er sah die anderen an.
„Keine Alleingänge. Keine Panik. Keine Dummheiten.“
Luke hob die Hand.
„Dann bin ich ja wohl raus.“
Marie zog ihre Jacke enger.
„Falls wir sterben, will ich nur sagen, dass ich Luke niemals so wirklich mochte.“
„Wow.“
„Sorry.“
„Nicht mal als Mensch?“
„Naja okay, so ein bisschen schon.“
Luke schnappte sich einen langen Ast vom Boden.
„Falls dort Monster sind, bin ich vorbereitet.“
Der Ast zerbrach sofort in zwei Teile.
Leia sah ihn an. „Beeindruckend.“
„Ich hasse die Natur.“
Fynn trat näher an das Licht heran.
Jetzt konnte man sogar Geräusche hören. Ein Rascheln. Wind in riesigen Baumkronen. Und etwas anderes.
Eine Art Klicken und Zirpen.
Nicht wie Vögel.
Mehr als würde sich jemand unterhalten oder so.
Marie hob langsam ihr iPad.
„Wenn das ein Traum ist, raste ich aus.“
„Wenn das ein Traum ist“, sagte Luke, „dann will ich wenigstens ein Drachenschwert.“
„Du würdest dich damit innerhalb von drei Minuten selbst verletzen.“
„Das schaffe ich auch in zwei.“
Leia hielt plötzlich inne.
„Da!“
Alle blickten ins Licht.
Zwischen den gewaltigen Ästen bewegte sich erneut etwas. Klein. Schlank. Blitzschnell.
Für einen Moment leuchteten winzige Punkte im Dunkeln auf. Wie kleine Sterne.Dann war die Gestalt wieder verschwunden.
Marie flüsterte:
„Okay … das war definitiv keine Eule.“
Der Boden vibrierte stärker.
Fynn sah auf seine Uhr.
19:44
Das Licht begann leicht zu flackern.
„Vielleicht bleibt das nicht lange offen“, sagte Leia.
„Und wenn es gleich verschwindet?“ fragte Luke.
Niemand antwortete.
Fynn dachte kurz nach.
Dann schrieb er blitzschnell in Ephi:
Irgend einen Zugang entdeckt hinter Ruine Nienburg. Aktiv 19:42. Flackernd ab 19:44.
Er steckte die Kladde weg.
„Okay“, sagte er. „Wenn wir da rein gehen wollen, dann jetzt.“
Diesmal widersprach niemand.
Luke schluckte. Marie atmete tief durch. Leia zog ihr Handy fester in die Hand.
Dann traten die vier Freunde gemeinsam durch das Licht.
Die Welt explodierte in Helligkeit.
Für einen Sekundenbruchteil fühlte es sich an, als würden sie fallen. Wind raste an ihnen vorbei. Luke schrie irgendetwas Unverständliches. Dann standen sie plötzlich fest auf dem Boden.
Die Luft roch nach Regen, Harz und Blüten.
Nicht wie das Moor.
Nicht wie Zuhause.
Die vier blickten langsam auf und erstarrten.
Über ihnen ragten gigantische Bäume in den Himmel.
Ihre Stämme waren breiter als Häuser.
Zwischen den Ästen hingen leuchtende Pflanzen.
Überall bewegten sich kleine Lichtpunkte durch die Baumkronen.
Wie Sterne. Nein, es waren keine Sterne, es waren Lebewesen.
Und irgendwo weit oben erklang plötzlich helles Lachen.
Nicht menschlich, aber fröhlich.
Direkt danach huschten mehrere kleine Gestalten blitzschnell über die Äste. Ihre Fellspitzen leuchteten golden im Dunkeln.
Luke starrte nach oben.
„Okay“, flüsterte er.
„Wir sind sowas von nicht mehr in Nordrhein-Westfalen.“
Niemand antwortete sofort.Sie standen einfach da, als wären sie festgefroren.
Über ihnen bewegten sich die gewaltigen Baumkronen langsam im Wind. Manche Äste waren so breit wie Straßenlaternen. Zwischen ihnen spannten sich natürliche Brücken aus Wurzeln und Lianen.
Und überall waren diese kleinen Lichtpunkte.
Sie bewegten sich verdammt schnell.
„Das sind die Dinger von eben“, murmelte Marie.
Sie hob sofort ihr iPad und begann hektisch zu zeichnen.
Leuchtende Fellspitzen. Lange Arme. Schmale Körper.
„Wenn ich das später jemandem zeige, werde ich bestimmt eingewiesen und bekomme eine weiße Jacke mit ganz langen Ärmeln“
Leia hielt sich leicht am Kopf.
Hier war es ruhiger als im Portal selbst, aber überall gab es Geräusche. Tausende kleine Klicks, Rascheln und ferne Rufe hallten durch die gigantischen Bäume.
Für andere Menschen wäre vieles davon einfach Hintergrundrauschen gewesen.
Für sie nicht.
Ihre Implantate machten jedes Geräusch klar.
„Alles okay bei dir?“ fragte Fynn sofort.
Leia nickte langsam.
„Ja. Ist nur ziemlich viel, das alles.“
Luke sah sich um.
„Also, haben wir einen Plan?“
„Erstmal nicht sterben“, sagte Marie.
„Gute Idee.“
„Danke.“
Fynn zog Ephi hervor und begann sofort zu schreiben.
Luft wärmer. Pflanzen leuchten. Riesige Bäume. Kleine schnelle Wesen.
Dann hielt er inne.
„Warte mal.“
Er sah zurück.
Dort, wo eben noch das Portal gewesen war, flimmerte nur noch schwaches Licht zwischen den Bäumen.
„Äh … Leute?“
Die anderen drehten sich um.
Das Portal wurde kleiner.
Langsam.
Aber eindeutig.
Luke hob beide Hände.
„Nein. Nein nein nein. Das macht es NICHT.“
Leia sah sofort auf ihr Handy.
„19:48.“
Fynn runzelte die Stirn.
„Wir sind doch gerade erst rüber.“
„Vielleicht läuft Zeit hier anders“, sagte Marie leise.
Das Licht hinter ihnen schrumpfte weiter. Plötzlich erklang hoch oben ein lautes Kreischen. Nicht aggressiv. Eher wie ein Warnruf.
Mehrere der leuchtenden Gestalten huschten blitzschnell durch die Äste.
Jetzt konnten die Vier sie besser erkennen.
Kleine Wesen.
Etwa so groß wie siebenjährige Kinder.
Schlank.
Mit langen Armen und Beinen.
Ihr Fell war dunkelbraun, aber an den Spitzen leuchtete es golden.
Wie kleine Lampen.
Und sie bewegten sich unmöglich schnell.
Ein Wesen hing plötzlich kopfüber direkt über Luke, keine zwei Meter entfernt.
Luke erstarrte.
Das Wesen auch.
Große bernsteinfarbene Augen blickten ihn neugierig an.
Dann grinste es breit.
Seine Fellspitzen begannen stärker zu leuchten.
„Äh“, machte Luke. „Hallo?“
Das Wesen klickte mehrmals mit der Zunge.
Dann schnappte es blitzschnell Lukes Ast und verschwand damit nach oben.
Luke starrte ihm hinterher. „Das war meine Waffe!“
Von oben erklang plötzlich helles Kichern.
Mehrere andere Wesen tauchten zwischen den Ästen auf.
Sie hielten sich mit Händen UND Füßen fest und schwangen mühelos durch die Baumkronen.
„Die benutzen einfach alles zum Klettern“, murmelte Marie fasziniert.
„Wie vierhändige Affen.“
„Sag das bloß nicht laut“, meinte Leia.
Das erste Wesen erschien erneut.
Diesmal saß es auf einem Ast direkt vor ihnen.
Es hielt Lukes zerbrochenen Ast in den Händen.
Dann bog es ihn einmal. Der Ast zerbrach endgültig. Wieder dieses helle Kichern. Und ein Wort: „Luum“.
Luke zeigte empört nach oben.
„Ey!“
Das Wesen imitierte ihn sofort.
Es zeigte ebenfalls empört nach unten.
Marie prustete los.
„Es macht dich nach!“
„Ich werde von einem leuchtenden Eichhörnchen gemobbt.“
Das Wesen legte den Kopf schief. Es schnalzte: „Luum“
Dann sprang es plötzlich nach unten.
Fynn machte instinktiv einen Schritt zurück. „Vielleicht sollten wir sie ‚Luum‘ nennen.“
Das Wesen landete federleicht direkt vor ihnen.
Keine Angst. Keine Aggression. Nur Neugier.
Jetzt sahen sie es richtig. Große Augen. Schmale Finger.
Leuchtende Fellspitzen an Armen, Beinen und Kopf.
Und tatsächlich konnten seine Füße fast genauso greifen wie Hände.
Das Wesen musterte sie intensiv.
Besonders Leia. Es zeigte auf ihre Implantate.
„Löffel“, sagte Leia automatisch.
Das Wesen klickte fragend.
„Meine Hörteile.“
Das Wesen streckte vorsichtig die Hand aus.
Leia zögerte kurz.
Dann ließ sie es zu.
Die kleinen Finger berührten vorsichtig eines ihrer Implantate.
Das Wesen machte ein erstauntes Geräusch.
Seine Fellspitzen begannen sofort heller zu leuchten.
„Ich glaube, es freut sich“, sagte Marie.
Fynn schrieb sofort:
Leuchten offenbar emotionale Reaktion.
Plötzlich knackte irgendwo weiter hinten ein Ast.
Sofort änderte sich alles.
Das kleine Wesen zuckte zusammen.
Sein Leuchten verschwand fast komplett.
Überall oben in den Bäumen wurde es hektisch.
Mehrere der Wesen huschten plötzlich schnell und lautlos davon.
Nur das kleine Wesen vor ihnen blieb noch kurz stehen.
Es blickte panisch nach links.
Dann wieder zu den Kindern.
Und schließlich deutete es hektisch nach oben.
„Ich glaube, wir sollen irgendwo hin“, sagte Marie.
Wieder knackte es. Diesmal lauter.
Und diesmal hörten die Kinder noch etwas anderes.
Ein tiefes Knurren.
Luke grinste nervös.
„Okay. DAS klingt eher nach Horrorfilm.“
Das kleine Wesen sprang plötzlich an Fynns Jacke hoch, zog daran und klickte hektisch.
„Ja ja, wir kommen ja!“
Fynn blickte noch einmal zurück zum Portal. Das Licht war inzwischen nur noch halb so groß.
„Wir sollten wirklich langsam—“
Dann verschwand das Portal. Einfach so.
Das Licht flackerte einmal kurz, dann war es weg.
Niemand bewegte sich.
Luke blinzelte.
„… Oh.“
Marie sah ihn an.
„Oh?“
„Das ist mein offizielles Krisen-Oh.“
Leia blickte auf ihr Handy. Kein Netz. Natürlich nicht.
„Das ist schlecht.“
„Wie schlecht?“ fragte Luke.
„Sehr schlecht.“
Fynn schluckte.
Zum ersten Mal wirkte er wirklich unsicher.
„Okay.“
Er atmete tief durch.
„Okay. Kein Problem.“
„Du sagst okay zu oft“, meinte Marie.
„Weil ich verhindern will, dass wir panisch werden.“
Luke hob die Hand.
„Zu spät.“
Wieder ertönte das tiefe Knurren. Und: “Gorm, gorm!“
Diesmal näher.
Das kleine Wesen erschrak sichtbar.
Seine Fellspitzen flackerten hektisch.
Dann sprang es blitzartig an einem Baum hoch.
Nach zwei Sekunden war es bereits mehrere Meter über ihnen.
Es blickte hinunter und klickte laut.
Als würde es sie antreiben.
„Ich glaube wirklich, wir sollen hoch“, sagte Leia.
Luke sah den gigantischen Baum an.
„Cool. Leider bin ich ungefähr so kletterfähig wie ein Kühlschrank.“
Da knackte plötzlich direkt hinter ihnen ein Busch auseinander.
Alle fuhren herum. Etwas bewegte sich zwischen den Farnen. Groß und schwer.
Man hörte langsame Schritte. Nicht so flink wie bei den kleinen Wesen.
Marie trat automatisch näher zu den anderen. Fynn klappte Ephi zu. Luke hob beide Fäuste.
„Wenn das ein Monster ist, möchte ich anmerken, dass ich friedlich bin.“
Das Knurren kam wieder.
Direkt vor ihnen.
Dann schob sich langsam eine dunkle Gestalt zwischen den Pflanzen hervor.
Groß.
Breit.
Mit langen Armen. Graue Haut spannte sich über massige Muskeln. Die Augen wirkten klein und tief liegend.
Unter einem schweren Felsvorsprung-artigen Helm aus Knochen und Leder blitzten gelbliche Zähne hervor.
Das Wesen schnupperte. Wie ein Raubtier.
Leia flüsterte:
„Das … ist definitiv kein Luum.“
Oben in den Bäumen erklangen plötzlich hektische Klicklaute.
Warnrufe.
Das Wesen hob den Kopf. Sein Blick fiel direkt auf die Kinder. Und es lächelte. Leider nicht wirklich freundlich.
Überhaupt nicht freundlich.
Luke machte einen winzigen Schritt rückwärts.
„Okay.“ Er schluckte. „JETZT dürfen wir panisch werden.“


.
Falls Ihr etwas spenden möchtet, dann drückt auf das Emoji
